Zwei Räume, digitale und analoge Klangerzeuger, Komposition und Improvisation, Bewegung, Bild und Klang, Reiz und Reaktion: scheinbar Gegensätzliches wird in dieser Saison miteinander in Spiel gebracht. Zeitlich und räumlich parallelisiert - oder sollte es heißen synchronisiert?
"Sync", ein in der Computerwelt allgegenwärtiger Begriff ist die Kurzform von "synchron" und bezeichnet ursprünglich das zeitliche Zusammenfallen von wenigstens zwei Ereignissen oder Abläufen.
Als asynchron erleben wir das Auseinanderfallen von Lippenbewegung und Wortklang bei Störungen im Fernsehen, im Englischen "out of sync" genannt. Der Gegenbegriff "in sync" weist aus der technischen Sphäre bis ins Zwischenmenschliche auf eine harmonische Beziehung hin.
Indem wir Ereignisse zeitlich und räumlich in abgestimmte Verbindungen bringen synchronisieren wir sie. Identische Uhrzeit, gleiche Frequenz, parallele Aktion: hier waltet Synchronität.
"Synchronizität" hingegen nannte C.G. Jung ein Phänomen, bei dem ein Beobachter relativ zeitnah aufeinander folgende Ereignisse, die nicht durch eine Kausalbeziehung miteinander verknüpft sind, diese dennoch als sinnhaft miteinander verbunden erlebt.
Die Wirklichkeit als Interpretation? Hier öffnet sich das Spannungsfeld zwischen Künstler und Rezipient, Macher und Interpret - oder ist das auch nur eine Frage der Interpretation? "Sync" verweist auf dieses Wechselspiel: zwischen Akteuren, Interpreten, Räumen, Zeiten, Reiz und Reaktion.
Wir wünschen außerordentliche Hörerlebnisse im einzigartigen Veranstaltungsort:
t-u-b-e!
Ulrich Müller & Dr. Jörg Stelkens
(Kuratoren der t-u-b-e)

Präparierte E-Gitarre, Percussion, Field-Recording, selbstgebaute Saiteninstrumente
und Live-Elektronik: Das Trio Friedl/Samartzis/Vorfeld begibt sich in seinen
Konzerten auf spannende musikalische Expeditionsreisen in unbekanntes Terrain:
untersucht Schnittmengen und Verschmelzungsgrade von akustischen und elektronischen
Klängen und die Möglichkeiten deren Zusammenwirkens im Raum.


Experimentelle Grenzüberschreitungen - musikalisch wie auch instrumental: Dafür steht KRK, ein Projekt von Georg Cremaschi und Matthew Ostrowski.
Gemeinsam können sie sich auf mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Evan Parker, John Zorn oder Nicolas Collins berufen: KRK ist das Projekt zweier international herausragender Musiker auf dem Feld der experimentellen Avantgarde wie gleichermaßen dem der Jazz- und Rocktradition oder der elektronischen Musik. Diese Wurzeln neu zu aktualisieren, unsere neo-postmoderne Musiklandschaft kritisch zu interpretieren, sie musikalisch zu aktualisieren und weiter zu entwickeln ist die Herausforderung, der sich das Duo in seinen Konzerten stellt.


Short music & silence ist das Thema des mollschen gesetzes und wird im Dialog mit Michaela Ehinger in der Performance Jenseits der Stille beginnt die Leidenschaft erlebbar.
Indem der Musiker und Komponist Udo Moll mit der Schauspielerin Michaela Ehinger in einen Dialog tritt, entsteht eine musikalisch-literarische Improvisation. Während Udo Moll mittels Trompete, Harmonium und Live-Elektronik in kurzen Intervallen ein breites Klangspektrum entfaltet, verwendet Michaela Ehinger Zitate über unseren Umgang mit Zeit sowie einen Ausschnitt aus dem Roman "Gefährliche Geliebte" von Haruki Murakami.

Die Projektion und Performance "Double scanning" bezieht sich auf die Diskrepanz zwischen der angeblichen "Erlebniswelt" des shoppings und Konsums in internationalen Flughäfen und den öffentlichen und versteckten Sicherheitsmaßnahmen, denen jeder Reisende ausgeliefert ist.
Die Technik der kompletten Durchleuchtung des Menschen und seines Gepäcks,
die Masse der ihn umgebenden Informationen und die Überforderung der Wahrnehmung
spiegeln sich akustisch in der Klanginstallation von Christina Kubisch
wieder. Dichte Klangfelder, manchmal bis in detaillierte Frequenzbereiche
gefiltert, überlagern sich in einer den Raum füllenden 8-Kanal-Installation.
Bei dem separat in einem anderen Raum laufenden Video von Ellen Fellmann,
begibt sich die Kamera auf die Spurensuche nach den normalerweise verborgenen
oder nicht beachteten Bereichen der Flughäfen, wobei als stilistische Mittel
Reflexionen, Spiegelungen, Schichtungen und Überlagerungen eingesetzt werden.
Zur langen Nacht der Musik, 23.05.09 wird eine Installationsfassung gezeigt.
Biographie/ Philosophie:
Christina Kubisch
Christina Kubisch, geboren 1948 in Bremen. Studium der Malerei, Musik und
Elektronik in Hamburg, Graz, Zürich und Mailand. Nach intensiver Performancetätigkeit
in den siebziger Jahren verlagert sich der Schwerpunkt seit 1980 auf Klanginstallationen,
Klangskulpturen und Lichträume im Innen- und Außenraum sowie elektro-akustische
Kompositionen. Seit 2003 erneut Live-Auftritte. Zahlreiche Stipendien und
Auszeichnungen, u.a. Preisträgerin des Kulturkreises im BDI 1988, Arbeitsstipendium
Kunstfonds Bonn e.V. 1990, Arbeitsstipendium des Senats von Berlin 1995,
Heidelberger Künstlerinnenpreis 1999, Carl Djerassi Honorary Fellowship,
USA 2000, artist-inresidence IASPIS, Stockholm 2002, Ehrenpreis des Deutschen
Klangkunstpreises 2007 Einzelausstellungen in Museen und Galerien in Europa,
Asien, Australien, Nord- und Südamerika. Teilnahme an zahlreichen internationalen
Festivals und Gruppenausstellungen, u.a. Pro Musica Nova, Bremen 1976 und
1980, Für Augen und Ohren, Berlin 1980, Biennale von Venedig 1980 und 1982,
documenta 8, Kassel 1987, Ars Electronica, Linz 1987, Steirischer Herbst,
Graz 1987, Biennale of Sydney 1990, Biennale of Nagoya 1991, Donaueschinger
Musiktage 1993 und 1997, Prison Sentences, Philadelphia 1995, Sonambiente,
Berlin 1996 und 2006, Klangkunstforum Parkkolonnaden, Berlin 1999, Sonic
Boom, London 2000, Visual Sound, Pittsburgh 2001, Singuhr- Hörgalerie,
Berlin 2002, Activating the Medium, San Francisco 2003, sounding spaces,
Tokyo 2003, Resonanzen, ZKM, Karlsruhe 2005, Her Noise, London 2005, B!AS
International Sound Art Exhibition, Taipei 2005, Stockholm New Music 2006,
Invisible Geographies: Sound Art from Germany, New York 2006, Sharjah Biennial
2007, Huddersfield Contemporary Music Festival 2007, Soni(c)loud, Mexico
City 2008 Seit 1975 Veröffentlichungen bei verschiedenen Labels, u.a. Cramps
Records, Edition RZ, ampersand, semishigure, Die Schachtel, Olof Bright,
Important records Gastprofessuren in Maastricht, Paris und Berlin. Seit
1994 Professorin für "Audiovisuelle Kunst" an der Hochschule
der Bildenden Künste Saar. Seit 1997 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
Lebt in Hoppegarten bei Berlin.
Christina Kubisch: www.christinakubisch.de
Ellen Fellmann
Nach dem Studium der Musik, München (klassischer Gesang und Klavier), der Musikwissenschaft und Philosophie in München und Berlin, sowie einem Gaststudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin beschäftigt sich Ellen Fellmann, geboren 1968 in Deutschland, seit 1999 mit audiovisuellen Kompositionen. Mit ihren Arbeiten thematisiert Ellen Fellmann sowohl die Differenz, als auch die Kommunikationsfähigkeit und die Kontaktflächen der Kunstformen Ton- und Videokunst. In der Zusammenführung der Kunstformen geht es ihr darum, keine Hierarchien, Übertragungen oder Verdoppelungen herzustellen, sondern sie versucht eine strukturelle Verzahnung beider Ausdrucksformen zu erreichen. Bewegung dient dabei als zentrale Kategorie. Sie bildet die strukturelle Schnittfläche zwischen bewegtem Bild und Musik. Über eine Kommunikation zwischen Bild und Ton agieren beide Kunstformen als gleichberechtigte Protagonisten.
Zur aktuellen Videoarbeit von Ellen Fellmann: Für die hier ausgestellte
stille Videoarbeit wurden Aufnahmen von drei Flughäfen verwendet. Ellen
Fellmann hat sich dafür auf die Suche nach einem optimalen Standpunkt für
ein 'visuelles fieldrecording' begeben (wie man es vom akustischen her
kennt). Dieses bewegte visuelle Grundmotiv ist hier in seiner ursprünglichen
Form zu sehen und wird in bestimmten Abständen von anderen Sequenzen unterbrochen.
Das Material wurde nicht weiter nachbearbeitet, sondern nur linear montiert.
Ellen Fellmann: www.ellenfellmann.de

Die Klangmagie des Komponisten Karlheinz Essl, das selbst entwickelte elektronische
Computerinstrument m@ze°2 trifft frontal auf einen der vielseitigsten E-Gitarristen:
Seth Josel. Zerhackt, geschunden, demoliert und neu zusammengefügt werden
traumverlorene Klänge in den Raum projiziert, reflektiert und neu bearbeitet:
Essl präsentiert die Münchner Erstaufführung von "Sequitur VIII"
.Das Aufeinandertreffen zweier mit allen Wassern gewaschenen Musikern -
dem Komponisten Karlheinz Essl (Wien) und dem Gitarristen Seth Josel (Berlin)
- verspricht aufregende Hörerlebnisse. Beide Musiker bewegen sich auf vielfältigen
Pfaden zwischen Neuer Musik, Elektronik, Improvisation und Experiment und
werden an diesem Abend speziell auf die Atmosphäre und Akustik der t-u-b-e
eingehen.



Bei X-Ray durchleuchtet das Gitarrenensemble Go Guitars den Komponisten und Leiter des Studios für Elektronische Musik am Mozarteum Achim C. Bornhöft und stellt verschiedene Facetten seiner Arbeit vor.



Mit Mitgliedern des Müncheners Ensembles "Go Guitars" an (a)synchronen,
raumbezogenen Improvisationsmodellen arbeiten und in einem intensiven,
zweitägigen Probenprozess zur Aufführungsreife bringen. Der Workshop wendet
sich gleichermaßen an musikalische Profis sowie ambitionierte Laien, die
in diesem t-u-b-e Workshop einzigartige und neue Erfahrungen in einem professionellen,
musikalischen Arbeitsprozess und Umfeld sammeln können. Darüberhinaus steht
das t-u-b-e Team (Ulrich Müller, Dr. Jörg Stelkens) für technische Unterstützung
und als inhaltlicher Diskussionspartner zum Thema "neue, raumversetzte
Aufführungsmodelle" zur Verfügung. Eigenes Instrumentarium (keine
Beschränkung) sollte mitgebracht werden.
Verbindliche Anmeldungen bitte mit Telefon- und Adressangabe per mail an Jörg Stelkens. Begrenzte Teilnehmerzahl, Teilnahme kostenlos.