Sieben Künstler, die bereits in der t-u-b-e mit ihren experimentellen Raumklang
Performances besonders aufgefallen sind, werden in dieser Saison erneut
eingeladen, um zusammen mit dem Publikum die weltweit erste, mehrkanalige
DVD-Produktion mit experimenteller elektroakustischer Live-Musik einzuspielen.
Sieben spannende Live-Abende erwarten Sie, bei denen in höchster Konzentration
an neuen, ungehörten musikalischen und klanglichen Raum-Ereignissen gearbeitet
wird. Das Ergebnis: Eine im Frühjahr 2004 erscheinende DVD, mit der, auf
der heimischen 5.1 Surround-Anlage abgespielt, diese Abende höchst sinnlich
und aufregend auf eine akustisch bisher noch nicht dagewesene Weise nachvollzogen
werden können.
Mit dieser künstlerisch und technisch höchst anspruchsvollen Produktion, will die t-u-b-e ihrem Anspruch, sowohl im Sinne der künstlerischen Förderung zu wirken, als auch eine Plattform zur Vermittlung extremer künstlerisch-musikalischer und medientechnischer Positionen bereit zu stellen, weiter gerecht werden.

Das Stück basiert auf Original-Tonaufnahmen aus dem Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet aus bis zu 1000 Metern Tiefe: Maschinengeräusche, Sprechfunk-Fragmente, Signaltöne, Geräusche von Stein, Wasser und "Wetter" (d.h. Luft-Geräusche aus dem System der Bergbau-Belüftungsströme). "Untertagemusik Nr.1" wurde komponiert als live in 8-Kanal-Technik aufzuführendes Werk. Das Instrumentarium besteht aus mehrkanaligen Tonbandmaschinen, deren Spuren virtuos bespielt werden. Niehusmanns Hände fliegen über die Tasten der Maschinen: vorwärts, rückwärts, start, stop, play, Schleifenwechsel, play. Aus diesem Spiel mit Additionen, Fragmentierungen und Löschungen entsteht ein dichtes, rhythmisches Geflecht von "Klang-Schnitten" und rhythmischen Geräusch-Sequenzen. Niehusmann versteht es mit seinem selbstentwickelten System die Klänge auf einzigartige Weise direkt und live im Raum zu arrangieren und so ein beeindruckendes Raumklangerlebnis darzubieten.
Dieses Konzert wird mit gleichem Instrumentarium aber anderem Bandmaterial gespielt: In "Inkan" sind neben Ausschnitten aus dem riesigen Klang-Archiv des Komponisten auch musikalische Fragmente aus mehreren seiner früheren Kompositionen (z.B. für Film- und Theater-Produktionen) zu hören. Das Wort "Inkan" bezeichnet in der japanischen Sprache einen kunstvollen Stempel, der anstelle der eigenen Unterschrift benutzt werden kann. Einen "Inkan" gibt es daher immer nur als Einzelstück: ein Unikat, das in stilisierten Zeichen den Namen seines Besitzers darstellt. - Die Musik von Frank Niehusmann mit dem Titel "Inkan" ist eine sinfonisch-elektronische Musik, in der er auf seine eigenwillige Art Naturtöne, Maschinengeräusche und synthetisch-elektronische Klänge zu einem Raumklang-Konzert verdichtet.

Thomas Lehn entwickelte auf dem Hintergrund langjähriger Erfahrung als
interpretierender und improvisierender Pianist höchst individuelle Ausdrucksformen
auf dem Gebiet der Live-elektronischen Musik. Zunehmend konzentrierte er
sich auf die Anwendung analoger Synthesizersysteme, die einen unmittelbaren
Zugriff auf die einzelnen Elemente der elektronischen Klangsynthese und
damit ein direktes, virtuoses Agieren und Reagieren im Struktur- und Spannungsprozess
der Musik gestatten.
Bei dieser einzigartigen, speziell für die t-u-b-e entwickelten Improvisation wird Thomas Lehn mit einem Klangverteilungssystem (Entwicklung Jörg Stelkens 2001) arbeiten, das seine Synthesizer-Klänge gesteuert durch einen Joystick auf eine 6-kanalige Lautsprecherkonfiguration projiziert. Das musikalische Klangmaterial und die kompositorische Struktur werden aus dem unmittelbaren Moment heraus gesetzt, entwickelt und tiefendimensioniert. Sowohl der Klang des Raumes in Reaktion auf Lehns spezielles analoges Synthese-Instrumentarium als auch die Anordnung der Lautsprechergruppen sowie die konstituierende Kraft der aktiven Musikrezeption durch das Publikum sind Teil des Geschehens.

Eine elektrisch verstärkter Draht ist wie eine Saite der Länge nach durch den Raum gespannt. Während Adrianna Sá diese Saite bespielt, bewegt sie sich im Raum. Bewegung und musikalische Resonanz werden so zusammengeführt in einer Art Choreographie, die sie als Zwischenbereiche, als Schattierungen einer Rauheit charakterisiert. Die Klänge der Saite werden überlagert von vokalen Aktionen und elektronischen Klängen, dabei wird der zeitliche Verlauf von musikalischen Phrasen von ihrem "light percussion instrument" gesteuert, das auf die Lichtblitze eines Stroboskops reagiert. So entstehen Klanglandschaften, die Adriana Sá als Ausdruck ihrer jeweiligen inneren Topographie ansieht.

In den Arbeiten von Lou Mallozzi verbinden sich unterschiedlichste musikalische Ansätze. Improvisation trifft auf Auskomponiertes, elektronisch verfremdete Alltagsklänge auf Instrumentalklänge und Stimme. So entstehen Klanglandschaften, in denen gleichermaßen Stilmittel des experimentellen Hörspiels wie performative und konzertante Momente zu einer völlig eigenständigen Form miteinander verschmolzen sind. In diesem Spiel von Changieren und Reagieren verschiedenster Klangquellen, Klangerzeugungen und inhaltlichen Komponenten liegt auch die besondere Kraft und unmittelbar poetische Dimension der Arbeiten von Lou Mallozzi.