Saisonthema: "Krank"
In den vergangenen t-u-b-e Saisons standen mit dem Thema harte H(ä)ngste das Spannungsfeld zwischen Erfolg und Versagen und mit dem Thema Rituale die entsprechenden individuellen Verhaltensreaktionen im Vordergrund. Das Thema krank knüpft weiter ausdifferenzierend an diese Themenreihe an.
Krankheit wird in Bezug auf einen
gesellschaftlich festgelegten Gesundheitszustand definiert.
Überlegungen über das krank sein sind Überlegungen
zu gesellschaftlichen Ist-Zuständen und über die eigene
Kulturgeschichte. Die Krankengeschichte eines Menschen ist eine
Akte über einen individuellen körperlichen und geistigen
Zustand in Bezug auf ein etabliertes Gesundheitssystem. Ein
staatsgebundenes Gesund-heitssystem definiert die Grenze zwischen
Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod. Dabei verschiebt sich
durch die schulmedizinisch etablierte bis ins kleinste hin-ein
detektierende high-tech Diagnostik die Balance zwischen diesen
Grenzen. Geburt und Tod werden pathologisch, sie gehören nicht
mehr zum Leben, sie gehören der Medizin.
Die Rückwirkungen dieser Entwicklung auf das körperlich-seelische Gleichgewicht eines Individuums sind ungeklärt. Heilsversprechende Alternativen bilden eine ei-gene Subkultur.
Die Thematisierung von Krankheit in künstlerischer Arbeit ist zunehmend zu beobachten. Das dabei verwendete akustische und mediengetragene Material scheint sich zur distanzierten Aufbereitung und Erfahrbarmachung innerer körperlicher und seelischer Vorgänge besonders zu eignen.
Die Themensaison krank
wird einige ausgewählte künstlerisch-akustische Arbeiten zu
diesem Komplex vorstellen, wobei - wie in den vorhergehenden
Saisons auch - keine explizite
Illustration des Themas angefragt wurde. So ist das Publikum hier
eingeladen neben dem sinnlichen Genuss den tiefergehenden
Haltungen der Künstlerinnen und Künstler zu Teilaspekten des
Themas in diesen Arbeiten selbst nachzuspüren.
Die Eröffnung der t-u-b-e Saison
2/01 findet im Rahmen des Musikfestes der Münchner Gesellschaft
für Neue Musik statt. Nähere Informationen hierzu
unter www.mgnm.de