Mit Heinz Weber, Jens Brand und Johannes Sistermanns setzen wir die Saison t-u-b-e reloaded fort. In diesem Programm werden Künstler eingeladen, die bereits in der t-u-b-e aufgeführt haben. Unter Verwendung einer speziellen Mikrophonierung werden diese Performances in Surround Sound live aufgezeichnet. Das Ergebnis wird Anfang 2004 als DVD veröffentlicht. Die Aufzeich-nungen der vergangenen Performances haben unsere Erwartungen hinsichtlich der verwendeten 5.1 Technologie voll erfüllt und bei allen beteiligten Künstlern ein sehr positives Echo ausgelöst. Wir danken der Firma Schoeps Mikrophone für die großzügige Unterstützung bei der Anschaffung der Spezialmikrophone und sind gespannt auf die DVD.
Trotz technischer Innovationen und dem deutlich gestiegenen Publikumsinteresse geht die t-u-b-e Mitte Dezember mit großer Unsicherheit in die Winterpause. Wird es diese in Deutschland nach wie vor einmalige Institution 2004 weiterhin geben?

DAS SALZ ZUM ERDEN # 2 ist ein alchimistisch gedachtes Laboratorium, in
dem elementare physikalisch-chemische Prozesse stattfinden. Diese Prozesse
haben ihre eigene Klanglichkeit. Es gibt darin auch eine Reihe von Versuchsanordnungen,
die Klangereignisse steuern. Eine zweite Ebene bildet ein System aus einer
Endlos-Tonbandschlaufe, die durch zwei Bandmaschinen geführt ist - eine
in "play"- und eine in "record"-Funktion. Dieses tape-loop-System
protokolliert die Klangprozesse und führt sie zugleich in einen sich ständig
weiter prozessierenden Aggregatszustand. Das Laboratorium und das Protokoll-System
arbeiten beide permanent auf einem sehr geringen Lautstärke-Level. Bei
der Performance werden die einzelnen Klangereignisse in einem Live-Mix
auf eine PA-Anlage zugeschaltet. Diese "Klangmixtur" ist als
"akustische Quintessenz" hörbar.
Heinz Weber studierte Bildende Kunst und Germanistik, bevor er 1980 mit
Klangobjekten und musikalischen Improvisationskonzepten zu arbeiten begann.
1990 war er Mitbegründer des SPRITZENHAUS in Hamburg. Seit 1993 arbeitet
er an dem Großprojekt "Vom Klang der Dinge" zum erweiterten soundscape-Begriff,
realisiert in Klanginstallationen und radiophonen Arbeiten. Zahlreiche
Aufführungen In- und Ausland. Er lebt seit 2003 in Berlin.

Der international arbeitende Klangkünstler Jens Brand, Begründer und Kurator
der Intermedia-Reihe MeX in Dortmund, ist dafür bekannt sein Publikum nicht
gerade zu schonen! Und dennoch, bzw. vielleicht gerade deswegen, ist er
in seinem Schaffen extrem erfolgreich und in den letzten Jahren weltweit
auf fast allen wichtigen Klangkunstevents mit seinen eigenwilligen Vorführungen
vertreten. Für die t-u-b-e DVD wird Jens Brand sein neues Raumklang-Stück
"HUM 4:3:5+1" zur Uraufführung bringen.
Danach wird Brand sein Mono Stück "BOREDOMVIDEO" präsentieren, das u.a. aus 32 Minuten scrollendem theoretischen Text über Langeweile besteht. Dazu Jens Brand: "...Erfahrungsgemäß ist das aber das Stück bei dem am wenigsten Leute gehen ...".
Brand bewegt sich mit seinen Werken oft an den Grenzen der inzwischen etablierten
Genres Installation und Performance. Die Integration und Interaktion des
sonst eher distanzierten und nicht für das Geschehen persönlich verantwortlichen
Rezipienten rückt hier in den Vordergrund. So Jens Brand in einem Interview:
"Etwas eigenes zur Aufführung bringend, bemühe ich mich in erster
Linie darum, dass mir das Aufführen ein Anliegen ist. Das Aufgeführte,
der Charakter, die Form oder der Inhalt ist in diesem Moment zweitrangig.
Wesentlich ist in dem Fall die Absicht und das Gegenwärtige des Aufführens.
Erzähle ich beispielsweise einen Witz, so erweist sich stets die Erzählhaltung
und das Erkennen oder Erschaffen des Kontextes als der Schlüssel zum Erfolg.
Der Inhalt, die Qualität und die Form des Witzes ist beim Witzeerzählen
von sekundärer Bedeutung."
Jens Brand wurde 1968 in Dortmund geboren. 1991, noch während seines Studiums
an der Kunstakademie Münster, wandte er sich unter dem Einfluss von Phill
Niblock und er Erfahrung von Performances am Het Apollohuis (Akio Suzuki
und Yunko Wada, Paul Panhuysen) der Experimentellen Musik und Klangkunst
zu. Seither entstanden eine Vielzahl von Installationen, Musik-Performances
und Intermedia-Arbeiten u. a. "Ratchets" (1998) für computergesteuerte
Holzratschen, "Motors & Styrofoam" (1999) für durch Elektromotoren
in Resonanz versetzte Styropor-Objekte. Zahlreiche Aufführungen und Ausstellungen
in Europa, Kanada, Japan und den USA. Simultanaufführungen mit dem Performer
Sam Ashley. Kunsttheoretische Arbeiten: "Boredom" (2000), Video,
Vortrag oder Performance. 1992 gründete er MeX - Initiative zur Förderung
inter-medialer und experimenteller Musik (www.mexappeal.de)
Stipendien: Stipendium (Residency) des Akiyoshidai-Art-Village, Yamagutchi,
Japan; Visiting Artist of the University of Weslyan, Middletown, Conneticut,
USA; "Puddles" Artsist in Residency at the ARIA, Aomori, North
Japan; Siemens Projektstipendium; Stipendiat der Villa Aurora, Los Ange-les,
USA, Sparte: Neue Musik.
Förderpreise: "Sonderförderpreis Jung Kunst / Klanginstallation" der Stadt Dortmund; Förderpreis des Karl - Ernst Osthaus - Preises
Kompositionsaufträge: des Landes NRW / Wittener Tage für neue Kammermusik;
Berliner Festspiele / Märzmusik; des Landes NRW für das Ensemble Zeitkratzer
/Klangzeit Festival Münster

Japan, das Land der Getränkeautomaten. Alle 70 Meter werden hier neben
gekühlten Getränken aller Art auch warmer grüner Tee in Weißblechdosen
angeboten. Bevorzugte Aufstellungsorte der Getränkeautomaten sind entweder
Fußgängerzonen, Einkaufszentren, Metrostationen oder eben kaum belebte
Straßen in kleinen Dörfern in ländlichen Regionen. Sistermanns hat während
seines viermonatigen Aufenthaltes 2001 in Japan gerade in diesen sozialen
Situationen heutigen japanischen Lebens Aufnahmen gemacht, die roh oder
klangbearbeitet in 'etc' eingespielt werden.
Kazuya Ishigami spielt gesampelte Sounds via Internet ein. Sistermanns
gurgelt, zischt, atmet, schlürft warmen Tee aus japanischen Dosen, spielt
mit der Pachinkokugel auf und mit Tee-Blechdosen, nutzt die leere Dose
als Resonanzkörper spielt aufgenommene, klangprozessierte Sounds ein. Das
von Nako Michi (Kyoto) gemachte Video 'silent tea at teremachi' projiziert
Sistermanns' Performance in Kyotos Einkaufsmeile auf die karge Szene akustischer
Teezubereitung.
Seit 2001 arbeiten Kazuya Ishigami (Osaka) und Johannes S. Sistermanns (Köln) gemeinsam an dieser akustischen Form einer modernen Teezeremonie.
Johannes S. Sistermanns wurde 1955 in Köln geboren. Er studierte an der
Kölner Musikhochschule Neues Musiktheater bei Prof. Mauricio Kagel, Rhythmik
bei Prof. Holmrike Leiser und Klavier bei Klaus Runze.
Seit 1984 arbeitet er als Komponist und Performancekünstler an Klangperformances,
Klanginstallationen, Klangskulpturen, radiophonen Hörstücken, graphischen
Notationen, Ausstellungen, Hörspiel-, Bühnen- und Fernsehspielmusiken.
Auftragskompositionen für WDR Köln "Studio Akustische Kunst",
SR, SFB, DLF, SWF, ABC Radio THE LISTENING ROOM Sydney.
Aufführungen im In- und europäischen Ausland, in Amerika, Australien, Japan
sowie Teilnahme an internationalen Festivals u.a.: Aspekte Salzburg 1983,
Klangzeit '92 Wuppertal, SprachTonArt 1992 Berlin, Multiple Sounds Maastricht
1994, Six Exquisite Sound Art Events, Tacoma + Spokane WA. USA 1995, Knitting
Factory New York 1995, Donaueschinger Musiktage 1996, Melbourne International
Festival for the Arts 1997, 6. Audio Art Festival Warschau 1998.
Vom Kultusministerium NRW erhält er 1995 ein dreimonatiges Auslandsstipendium in die USA. 1997 ist er mit einem dreimonatigen Kompositionsstipendium in Adelaide, Australien (Stiftung Kunst und Kultur NRW), lehrt an der Universität und am Music College, Adelaide, gibt Performance Konzerte in Adelaide und im Goethe-Institut Tokyo. Die Live-Satelliten-Performance 'A Global Garden for Percy' Frankfurt-Melbourne, gemeinsam mit der australischen Klangkünstlerin Ros Bandt, wird von ABC Radio, THE LISTNING ROOM Sydney live gesendet.
1998 reist er für 2 Monate mit einem Auslandsstipendium des Kultusministeriums Nordrhein-Westfalen durch Japan, gibt Konzerte, hält Vorlesungen in Hikone, Tokyo, Osaka, Kobe und ist Gastkünstler des Goethe-Instituts Kyoto, Japan.
Preise:
1995, internationalen KompositionsWettbewerb "Zeitgleich" des ORF und TRANSIT e.V. Innsbruck für seine Klanginstallation "INDIGO".
1997, KARL-SCZUKA-FÖRDERPREIS des SWF Baden-Baden für das radiophone Hörstück "Just And Thongs".